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Ein Zuhause für Menschen mit Demenz 

Arbeiter-Samariter-Bund betreut neues Wohnkonzept

Zuerst fiel Andreas M. (Name geändert) auf, dass er immer schwerer entziffern konnte, was seine Mutter auf den Einkaufszettel geschrieben hatte. Dann vergaß die 81-jährige plötzlich die Verabredungen mit ihrem Sohn und war zur betreffenden Zeit einfach nicht zu Hause. Und schließlich wurde sie irgendwann sogar von der Polizei nach Hause gebracht, weil sie in der Stadt die Orientierung verloren hatte. Bald stand fest: Anna M. ist nicht einfach nur vergesslich, sie ist an einer Demenz erkrankt.
 
Die Demenz ist eine Krankheit, unter der in Regel mindestens 2 Personen leiden: Der Betroffene selbst und der Angehörige, der sich dieses Schicksals annimmt. Auf die Betreuung sind Ehepartner, Söhne oder Töchter aber selten vorbereitet. Schnell verlieren sich Angehörige in ihrer Dauersorge selbst aus den Augen. Denn Menschen mit Demenz brauchen in der Regel eine Betreuung und Beaufsichtigung rund um die Uhr.
 
Für Betroffene und Angehörige stehen im Rheinisch Bergischen Kreis unterschiedliche Hilfsangebote zur Verfügung. Ab Februar nächsten Jahres wird es ein weiteres Angebot geben. In einer Doppelhaus-Villa in Bensberg wird der Arbeiter-Samariter-Bund 2 Wohngruppen mit einem speziellen Konzept für demenziell erkrankte Menschen betreuen. „Menschen mit Demenz brauchen einen Platz, an dem auf ihre besonderen Bedürfnisse eingegangen werden kann“. Anne  Paweldyk ist Geschäftsführerin des ASB Bergisch Land und freut sich auf das neue Angebot. „In der Wohngemeinschaft geht es sehr familiär zu. Die gute Personalausstattung ermöglicht es, sehr individuell auf die Bewohner und ihre Bedürfnisse einzugehen“.
 
Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind noch eine relativ neue Versorgungsform für Menschen mit Demenz. Die Einbettung der Wohngemein-schaften in ein normales Wohnumfeld und das familienähnliche Leben in einer kleinen Gemeinschaft sollen der Isolation demenziell erkrankter Menschen entgegenwirken und eine Nähe und Halt gebende Betreuung ermöglichen. Zugleich soll das Konzept die Betroffenen in ihrer Selbstbestimmung stärken. Die Bewohner, bzw. ihre Angehörigen mieten selbst ein Zimmer in der WG und bilden eine Mietergemeinschaft. Diese entscheidet über alle wichtigen gemeinsamen Belange, wie z.B. Neuanschaffungen, selbst. Auch eine Haushaltskasse wird selbst geführt.
 
Die Villa in Bensberg wird gerade von der RBS (Rheinisch Bergische Siedlungsgesellschaft) umgebaut, renoviert und saniert. Im Februar werden hier zwei eigenständige ambulant betreute Wohngemeinschaften mit 7, bzw. 8 Bewohnern einziehen. Die Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes werden die an Demenz erkrankten Menschen rund um die Uhr in ihrem Alltag begleiten und ihnen alle Unterstützung geben, die sie benötigen. Das Besondere der Konzeption ist es, dass im Vordergrund nicht die Pflege steht, sondern der Erhalt und Ausbau der eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten durch Anregung.
 
Zwar stehen für die nötige pflegerische Versorgung Fachkräfte zur Verfügung, den Tag aber strukturieren Alltagsbegleiterinnen und -begleiter. Ein Team, das speziell auf seine Aufgabe vorbereitet ist. Sie managen den Alltag so weit wie möglich mit den Bewohnern gemeinsam. Soviel Normalität wie möglich soll in den Alltag einfließen. Die Bewohner können die Alltagsgestaltung weitgehend mitbestimmen und entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen bei allen Aktivitäten mitmachen. Kochen, backen, bügeln, Blumenpflege, aber auch basteln, spielen, malen und spazieren gehen. Eben alles was Spaß macht und helfen kann, den vorhandenen Ressourcen der demenziell erkrankten Menschen einen Raum zu geben, um sie möglichst lange zu erhalten.
 
Ein schönes Leben trotz Demenz. Dieses Motto zieht sich wie ein roter Faden durch das Konzept. „Wir wollen weg von der defizitorientierten Sicht“ erklärt Anne Paweldyk. „Bei Menschen mit Orientierungsproblemen ist die kognitive Ebene weg gebrochen. Aber die emotionale Ebene besteht weiter, und sie muss genährt werden.“
 
Geborgenheit, Nähe und Halt sind hierfür der Schlüssel. Die Teams der Alltagsbegleiter arbeiten eigenständig jeweils in ihrer Wohngruppe. „Menschen mit Demenz brauchen vertraute Gesichter, Kontinuität und eine übersichtliche Struktur, um sich orientieren zu können“ hebt Paweldyk hervor, „die Begleitung selbst folgt aber keinem festen Ablaufschema. Soweit wie möglich sollen die Bewohner so leben können, wie es ihren individuellen Lebensgewohnheiten und ihrem eigenen Tagesrhythmus entspricht“.
 
Auch Angehörige, Bekannte und Freunde können sich gerne aktiv beteiligen. Ebenso sind ehrenamtliche Kräfte sehr willkommen, um das Leben in der Wohngemeinschaft zusätzlich zu bereichern. Sei es zum Gestalten eines Musiknachmittages, zum Vorlesen oder Spazierengehen. Wichtigste Voraussetzungen für die Aufgabe sind, dass die Freiwilligen ausreichend Zeit mitbringen und eine Regelmäßigkeit ihrer Besuche zusichern.
 
Für die Einrichtung der Wohngemeinschaften bietet das Haus optimale Möglich-keiten: Das angenehme Ambiente einer geräumigen, alten Villa und ein großer abgegrenzter Gartenbereich. Anne Paweldyk ist überzeugt: „Für die Bewohner wird das Leben in der Bensberger Villa ein Zugewinn an Lebensfreude und Lebensqualität sein.“
 
Arbeiter-Samariter-Bund, Regionalverband Bergisch Land e.V., Hauptstraße 86, Bergisch Gladbach, 02202/95566-0, http://www.asb-bergisch-land.de/.